Fachtagung Frühe Hilfen österreichweit, 2. Juni 2026 in Linz

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Am 2. Juni 2026 fand in Linz (Ursulinenhof, Landstraße 31, 2. Stock, 4020 Linz) unter dem Motto „Frühe Hilfen als ganzheitlicher und multidisziplinärer Präventionsansatz“ die ganztägige Frühe-Hilfen-Tagung 2026 statt. Die Tagung wurde vom NZFH.at in Kooperation mit dem Land OÖ, dem BMASGPK und der Familiensektion des BKA organisiert. Die Tagung gab Einblick in den aktuellen Stand der Umsetzung und die Praxis der Frühen Hilfen in Österreich und bot zahlreiche Fachinputs sowie die Möglichkeit zur Vernetzung.

Nachlese – Frühe Hilfen Fachtagung 2026

Die Frühe-Hilfen-Fachtagung 2026 beschäftigte sich mit der Bedeutung früher Unterstützungssysteme für Familien in belasteten Lebenssituationen. Im Mittelpunkt standen die neurobiologische Wirksamkeit früher Interventionen, Fragen gesundheitlicher Chancengerechtigkeit, die interdisziplinäre und multiprofessionelle Kooperation sowie die Sensibilisierung des ärztlichen niedergelassenen Bereichs.

Alle Beiträge verdeutlichten, dass die Frühe Hilfen ein evidenzbasiertes, wirksames und relevantes Angebot darstellen, das insbesondere vulnerable Familien erreicht und Verbesserungen in zentralen Lebensbereichen bewirken kann. Gleichzeitig wurde die Bedeutung einer stabilen Finanzierung, einer belastbaren Datengrundlage (insb. FRÜDOK) sowie der engen Vernetzung von Gesundheits- und Sozialwesen hervorgehoben.

Zielsetzung und Rahmen

Die Fachtagung brachte Expert:innen aus Medizin, Wissenschaft, Praxis, Politik und Verwaltung zusammen, um aktuelle Erkenntnisse, Erfahrungen und Herausforderungen im Bereich der Frühen Hilfen zu diskutieren. Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis zu Zielgruppen und Weiterentwicklungsbedarfen herzustellen sowie den fachlichen Austausch und die Motivation zur Kooperation zu fördern. 

Zentrale inhaltliche Schwerpunkte

1. Frühe Hilfen als wirksame Prävention

Frühe Hilfen wurden durchgehend als zentraler Bestandteil einer präventiv orientierten Gesundheits- und Sozialpolitik hervorgehoben. Sie setzen früh – idealerweise bereits in der Schwangerschaft – an, erkennen Belastungen und tragen zur Stabilisierung von Familien bei. 

  • Reduktion von Entwicklungsrisiken und Folgekosten
  • Förderung gesunder Entwicklung und sozialer Teilhabe
  • Beitrag zur langfristigen gesellschaftlichen Stabilität

Besonders betont wurde, dass es sich nicht um ein Zusatzangebot, sondern um eine strukturelle Säule moderner Versorgungssysteme handelt. 

2. Neurobiologische Evidenz und Bedeutung früher Erfahrungen

Ein zentraler inhaltlicher Schwerpunkt der Fachtagung lag auf der neurobiologischen Perspektive. 

Die Keynote machte deutlich, dass vorgeburtliche Belastungen sowie frühe Beziehungs- und Umweltbedingungen die Entwicklung des kindlichen Gehirns nachhaltig prägen – insbesondere in Bezug auf Stressregulation, emotionale Entwicklung und Sicherheitsgefühl. 

Frühe Hilfen tragen dazu bei,

  • positive Bindungserfahrungen zu fördern,
  • Stressbelastungen zu reduzieren und
  • die Entwicklung stabilisierender neurobiologischer Prozesse zu unterstützen.
3. Soziale Ungleichheit und Zielgruppenerreichung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf gesundheitlicher Chancengerechtigkeit. 

Daten zeigen, dass Frühe Hilfen besonders häufig Familien mit mehrfachen Belastungen erreichen, darunter:

  • armutsgefährdete Familien
  • Ein-Eltern-Haushalte
  • Familien mit geringem Bildungsniveau oder Migrationshintergrund 

Gleichzeitig wurde deutlich:

  • je niedriger das Einkommen, desto höher die Belastungslage
  • Zugangswege unterscheiden sich (mehr Vermittlung durch Institutionen bei benachteiligten Familien)
  • trotz höherer Abbruchraten profitieren auch stark belastete Familien deutlich von der Begleitung 
4. Wirkung und Nutzung der Frühen Hilfen

Die aktuelle Datenlage belegt eine starke Nachfrage und Wirksamkeit:

  • deutlicher Anstieg der Kontaktaufnahmen seit dem flächendeckenden Ausbau
  • Verbesserungen zeigen sich insbesondere bei
    • Elternkompetenz
    • Eltern-Kind-Beziehung
    • Alltagsbewältigung und Zukunftsperspektiven

Ein wesentliches Instrument zur Steuerung und Qualitätssicherung ist das Dokumentationssystem FRÜDOK, das evidenzbasierte Weiterentwicklung ermöglicht. Daneben wird durch Schulungen, Fortbildungen, Austausch und die Erarbeitung fachlicher Grundlagen und Vorlagen ebenfalls Qualitätssicherung betrieben.

5. Interdisziplinäre Kooperation als Schlüssel

Ein wiederkehrendes Thema war die Bedeutung von Vernetzung und Kooperation mit dem medizinischen niedergelassenen Bereich.

Frühe Hilfen wirken besonders dann effektiv, wenn sie eng mit anderen Systemen zusammenarbeiten, insbesondere mit:

  • Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Hebammen, niedergelassene Ärzt:innen)
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • sozialen und psychosozialen Beratungsstellen
  • Elternberatung und Kinderbetreuung

Hervorgehoben wurde insbesondere die Rolle niedergelassener Gesundheitsberufe als wichtige Zugangswege zu Familien.

6. Praxisperspektiven und Innovationen

In Workshops und Themenforen wurden konkrete Praxisansätze diskutiert, u. a.:

  • Stärkung der Vätereinbindung
  • Unterstützung von Familien nach belastenden Geburtserfahrungen
  • Angebote für Sternenkinder-Familien
  • bindungsorientierte Konzepte in der Familienbegleitung
  • Umgang mit Autismus-Spektrum-Störungen
  • Integration der Frühen Hilfen in den elektronischen Eltern-Kind-Pass

Diese Formate zeigten die große Bandbreite und Weiterentwicklung des Feldes.

7. Gesundheitssystem und strukturelle Weiterentwicklung

Mehrere Beiträge betonten die Notwendigkeit struktureller Rahmenbedingungen:

  • nachhaltige Finanzierung durch Bund, Länder und Sozialversicherung
  • Ausbau der intersektoralen Zusammenarbeit
  • Weiterentwicklung digitaler Instrumente (z. B. elektronischer Eltern-Kind-Pass)
  • kontinuierliche Evaluation und Monitoring

Investitionen in Frühe Hilfen wurden als Investitionen in Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche Stabilität bewertet. Die Beiträge wurden abschließend noch durch Berichte von Familien, die Erfahrungen mit den Frühen Hilfen gemacht hatten, ergänzt. So zeigen Erfahrungsberichte von begleiteten Familien, wie sehr diese die Entlastungsgespräche durch die Familienbegleiter:innen, deren Beratung sowie Unterstützung bei der Suche nach weiterführenden Angeboten schätzen. Es zeigte sich, dass durch diese Unterstützung Ressourcen in den Familien gefördert bzw. nutzbar gemacht werden konnten.

Fazit

Die Frühe-Hilfen-Fachtagung 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Frühe Hilfen ein zentraler Baustein einer zukunftsorientierten Gesundheits- und Sozialpolitik sind.

Die Kombination aus wissenschaftlicher Evidenz, praktischer Erfahrung und politischer Unterstützung unterstreicht das große Potenzial dieses Ansatzes. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die nachhaltige Weiterentwicklung vor allem von stabilen Rahmenbedingungen, funktionierender Kooperation und kontinuierlicher Qualitätssicherung abhängt.

Die Tagung leistete damit einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Weiterentwicklung und zur gemeinsamen Positionierung der Frühen Hilfen als Schlüsselstrategie für Chancengerechtigkeit und gesunde Entwicklung von Kindern.

Alle zur Verfügung gestellten Unterlagen finden Sie hier:

Präsentation_FH Perg_Linz Land 2_0.pdf

Unterlage_FH_Perg_Linz_Land3.pdf

Präsentation_FH_STMK_Graz_GrazUmgebung.pdf

Präsentation_Hofer.pdf

Präsentation_Peitner_Schuchner.pdf

Präsentation_Wurzer_Winkler.pdf

Präsentation_GIL_Tirol.pdf

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